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Meißen

Amtshauptstadt im Königreich Sachsen, Kreishauptmannschaft Dresden

     

Meißen

Amtshauptstadt im Königreich Sachsen, Kreishauptmannschaft Dresden

Meißen 32.289 Einwohner - 1905 = 120. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Meißen - Königliche Albrechtsburg und Dom

Meißen - Königliche Albrechtsburg und Dom

 

 

Meißen (Meissen) ist eine Amtshauptstadt im Königreich Sachsen, Kreishauptmannschaft Dresden, liegt am Nordende des Dresdener Elbtalbeckens, an und auf Hügeln (94–204 Meter über dem Meer) an beiden Ufern der Elbe, in die hier links die Triebisch mündet und über die in der Stadt zwei Brücken führen. Die Stadt ist im Innern reich an altertümlichen Bauwerken, der Stadtteil Triebischtal und rechts der Elbe tragen dagegen modernen Charakter.

Meißen - Königliche Albrechtsburg und Dom
Meißen - Königliche Albrechtsburg und Dom
Meißen - Königliche Albrechtsburg und Dom Meißen - Königliche Albrechtsburg und Dom



Zu den berühmtesten Bauwerken gehört der Dom, ein Meisterstück gotischer Baukunst, mit einer 78 Meter hohen Turmpyramide von zierlich durchbrochener Arbeit; die beiden Haupttürme sind 1547 durch Blitz zerstört worden. Der erste Gründer des Domes ist Kaiser Otto I.; nachdem aber das ursprüngliche Gebäude zu Anfang des 13. Jahrhunderts durch Feuer verwüstet worden, wurde das gegenwärtige von 1260–1450 erbaut. Das schöne, figurenreiche Hauptportal wird leider durch die von Kurfürst Friedrich dem Streitbaren als Erbbegräbnis seines Stammes erbaute Fürstengruft verdeckt. Dieselbe enthält mehrere aus Peter Vischers (* um 1455 in Nürnberg - † 7. Januar 1529 in Nürnberg) Werkstatt stammende Grabplatten. Einen zweiten Anbau bildet die Grabkapelle Herzog Georg des Bärtigen und seiner Gemahlin Barbara, mit einer Kreuzabnahme von Lucas Cranach dem Älteren. Rechts vom Südportal liegt die Johanneskapelle mit der Jahreszahl 1292, eine entzückende Komposition im edelsten Geiste der Frühgotik. Aus derselben Zeit stammen die hier und zum Teil im hohen Chor aufgestellten Bildsäulen Kaiser Ottos, seiner Gemahlin Adelheid, des heiligen Donatus, der beiden Johannes und der Jungfrau Maria. Im hohen Chor befinden sich alte Glasmalereien und ein Flügelaltarbild (Anbetung der heiligen drei Könige), ein Meisterwerk ersten Ranges, 1890 restauriert. Die Restaurierung des Domes sowie der Bau der fehlenden Haupttürme ist 1903 in Angriff genommen worden. Unter den übrigen acht Kirchen sind die Stadt- oder Frauenkirche, die uralte, schon von Thietmar von Merseburg (* 25. Juli 975 - † 1. Dezember 1018) erwähnte Nikolaikirche, in der noch Fresken von hohem Alter sichtbar sind, die St. Afrakirche, die 1887 vollendete katholische Kirche, die 1898 eingeweihte Johanneskirche mit Fresken von Sascha Schneider (* 21. September 1870 in Sankt Petersburg - † 18. August 1927 in Swinemünde) und die 1901 vollendete Lutherkirche bemerkenswert.

Meißen - Rathaus
Meißen - Stadt- oder Frauenkirche
Meißen - Markt
Meißen - Rathaus Meißen - Stadt- oder Frauenkirche Meißen - Markt

 

Eine neunte Kirche, die ehemalige Franziskanerkirche am Heinrichsplatz (auf dem ein Standbild Heinrichs I. aufgestellt ist), deren Kreuzgang 1892 restauriert und mit schönen Wandgemälden versehen wurde, und in welcher die ältesten Grabsteine Meißener Familien und einiger Adelsgeschlechter Ausstellung gefunden haben, wurde 1901 als Altertumsmuseum des Vereins für Geschichte der Stadt Meißen eingerichtet. Das neben der Domkirche stehende Schloss, eins der edelsten und großartigsten Profanbauwerke spätgotischen Stils, ist 1471–83 unter Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht durch Meister Arnold von Westfalen erbaut, unter Johann Georg II. im 17. Jahrhundert restauriert und Albrechtsburg genannt, 1710 der Porzellanmanufaktur eingeräumt, seit deren Verlegung in das Triebischtal 1860 aber in würdiger Weise restauriert und in seinen Haupträumen mit Wandmalereien geschmückt. Im Hofe des Schlosses steht das Standbild des Herzogs Albrecht, von Hultzsch. Die Fürsten- und Landesschule zu St. Afra, auf dem durch einen einzigen Bogen von 13 Meter Spannweite mit dem Schlossberg verbundenen Afraberg, seit 1879 im neuen Gebäude, die Bildungsstätte Gellerts und Lessings, ist 1543 von Herzog Moritz gestiftet, der ihr die Gebäude des aufgehobenen (1205 gegründeten) Afraklosters überwies; die schöne Aula enthält Wandgemälde von Große und Pauwels. Das von 1479 an erbaute Rathaus ist 1875 restauriert worden. Die Stadt zählt im Jahr 1905 mit der am rechten Elbufer liegenden, 1901 eingemeindeten Landgemeinde Kölln 32.289 Einwohner, die überwiegende Mehrheit sind Evangelische, 2387 sind Katholiken und 62 Juden.

Meißen - Königliche Porzellanmanufaktur
Schloss Siebeneichen bei Meißen
Meißen - Königliche Porzellanmanufaktur Schloss Siebeneichen bei Meißen

 

Unter ihren industriellen Anstalten steht die königliche Porzellanmanufaktur obenan, 1710 von Johann Friedrich Böttger (* 4. Februar 1682 in Schleiz - † 13. März 1719 in Dresden) gegründet, dem 1891 in der Neugasse ein Denkmal errichtet wurde. Die königliche Porzellanmanufaktur ist die älteste in Europa und beschäftigt 600 Arbeiter; ihr weltberühmtes Fabrikat pflegt mit Vorliebe den Rokokostil. Außerdem hat Meißen noch sechs Ofen- und Schamottefabriken (davon zwei mit Porzellanfabrikation) mit ca. 2000 Arbeitern. Ansonsten befinden sich hier noch Jutespinnerei und -Weberei (1300 Arbeiter), Eisengießerei und Maschinenfabrikation, Fabriken für Herstellung von Sicherheitszündschnüren, isolierte Leitungsdrähte, Nähmaschinen, Papier-, Blech- und Metallwaren, Möbel, Pianofortes, Stöcke, Schuhwaren, Lampen, chemische Fabriken, eine Zuckerraffinerie, bedeutende Ziegeleien, Mälzerei, Bierbrauerei, Granitbrüche, Weinbau, Schifffahrt etc. Den Handel unterstützt eine Nebenstelle der Reichsbank, den Verkehr in der Stadt vermittelt eine elektrische Straßenbahn, für den Eisenbahnverkehr hat die Stadt zwei Bahnhöfe an der Staatsbahnlinie Coswig-Borsdorf. Meißen hat ein Amtsgericht, ein Hauptsteueramt, außer der bereits genannten Landesschule St. Afra ein Realgymnasium, eine Realschule mit Progymnasium, eine Handels-, eine landwirtschaftliche und eine Schifferschule und ein städtisches Genesungsheim. In der schönen, ansehnlichen Obst- und Weinbau treibenden Umgebung sind erwähnenswert die Ruinen des 1570 aufgehobenen Zisterzienserinnenklosters zum Heiligen Kreuz, das von Miltitzsche Schloss Siebeneichen mit großem Park, das alte Schloss Scharfenberg und die moderne Huttenburg im Triebischtal.

Meißener Porzellan
Meißener Porzellan
Meißener Porzellan
2. Jägergruppe aus der Zeit August III.
Meißener Porzellan
1. Trachtengruppe am Hofe August III. um 1740

 

Meißen (ursprünglich Misni) wurde von König Heinrich I. um 928 als Zwingburg gegen die Daleminzier (Slawen) und Schutz des Elbübergangs erbaut und war Sitz des Markgrafen, des Burggrafen und des Bischofs. Im 15. Jahrhundert litt es durch den Hussiten. 1539 wurde im Dom der erste protestantische Gottesdienst gehalten. 1548 fanden hier Beratungen über das Interim statt. Im Schmalkaldischen Kriege (1547) wurde Meißen von den Kaiserlichen besetzt, im Dreißigjährigen Krieg 1637 von Banérs Schweden überrumpelt und zum großen Teil verbrannt; 1645 eroberten letztere unter Königsmark das Schloss. Auch im Siebenjährigen Kriege litt die Stadt mehrfach. Am 13. März 1813 ließ der französische Marschall Davout die Elbbrücke abbrennen; am 15. Juni 1866 wurde während des Deutschen Krieges dieselbe beim Einmarsch der Preußen von den Sachsen gesprengt.

Meißen - Kaserne des 2. Königlich Sächsischen Jäger-Bataillons No. 13
Meißen - Triebischtal
Meißen - Kaserne des 2. Königlich Sächsischen Jäger-Bataillons No. 13 Meißen - Triebischtal




Meißen (Sachsen)


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