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Rostock

größte und wichtigste Stadt des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin

Stadt Rostock - S.M.S. Rostock (1) - S.M.S. Rostock (2)

     

Rostock in Mecklenburg

größte und wichtigste Stadt des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin

Rostock 60.790 Einwohner - 1905 = 65. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Rostock - Neuer Markt

Rostock - Neuer Markt

 

 

Rostock ist die größte und wichtigste Stadt des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin, liegt am linken Ufer der Warnow, die sich hier sehr erweitert, 13 km nördlich bei Warnemünde in die Ostsee mündet und aufwärts von der Stadt auf 26 km Länge schiffbar ist und 15 Meter über dem Meer. Sie hat an Stelle der alten Festungswerke schöne Promenaden und besteht aus der Alt-, Mittel- und Neustadt und mehreren Vorstädten.

Rostock - Rathaus
Rostock - Stadtansicht
Rostock - Rathaus Rostock - Stadtansicht


Die Stadt, namentlich die Mittel- und Neustadt, ist regelmäßig und schön gebaut, hat 4 Tore (darunter das interessante Kröpeliner Tor, aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts, mit 4 Giebeln und viereckigem Turm) und mehrere stattliche Plätze, darunter den Neuen Markt mit Springbrunnen und den Blücherplatz mit einer Statue des hier geborenen Feldmarschalls Blücher (seit 1819, von Schadow). Unter den zu gottesdienstlichen Zwecken bestimmten Gebäuden (4 evangelische Kirchen, eine katholische Kapelle, eine Kapelle der Irvingianer und eine Synagoge) sind hervorzuheben die Jakobikirche (14. Jahrhundert), die Marienkirche (1398–1472), mit einem prächtigen Bronzetaufbecken von 1290 und dem Grabstein des Hugo Grotius (dessen Leiche später nach Delft in Holland geschafft wurde), die Petrikirche mit dem höchsten Turme Mecklenburgs (132 Meter), die Kirche zum heiligen Kreuz und die Nikolaikirche, letztere beiden mit prachtvoll geschnitzten Altären.

Rostock - Blick von den Cramons-Tannen
Rostock - Kröpeliner Tor
Rostock - Universität
Rostock - Blick von den Cramons-Tannen Rostock - Kröpeliner Tor Rostock - Universität

 

Ferner sind bemerkenswert das großherzogliche Palais (1702 erbaut), das gotische Rathaus (14. Jahrhundert), mit zierlichem Giebel, auf dem sieben Türmchen das Wahrzeichen der Stadt bilden, das Gebäude des Oberlandesgerichts, das 1867 neuerbaute Universitätsgebäude, das 1889–93 im gotischen Stil ausgeführte Ständehaus mit Standbildern der Herzoge Johann Albrecht und Christian Ludwig sowie der Großherzoge Friedrich Franz II. und Georg, das Kunst- und Altertumsmuseum u.a. Viele Privathäuser tragen mit ihren hohen Treppengiebeln den Charakter der baltischen Handelshäuser. Außer dem Blücherdenkmal hat Rostock ein schönes Kriegerdenkmal und Denkmäler des Großherzogs Friedrich Franz III. und des Afrikareisenden Pogge.

Rostock - Denkmal Friedrich Franz III., Theater und Museum
Rostock - Denkmal Friedrich Franz III.
Rostock - Universität Blücher-Denkmal
Rostock - Denkmal Friedrich Franz III., Theater und Museum Rostock - Denkmal Friedrich Franz III. Rostock - Universität Blücher-Denkmal


Die Einwohnerzahl belief sich im Jahr 1905 mit der Garnison (2 Bataillone Füsiliere Nr. 90) auf 60.790 Seelen, die überwiegende Mehrheit sind Evangelische, (1900) 429 sind Katholiken und 152 Juden. Rostock hat große Schiffswerften, Eisengießerei, Maschinenbau, Fabrikation von Wagen, Chemikalien, Lichten, Sei je, Wagenfett, Zichorie, Zucker, Malz, Schokolade, Baumwollwaren, Strohhüten, Spielkarten, Watte, Farben, Dachpappe, Papier, Tapeten, musikalischen Instrumenten etc., ein Elektrizitätswerk, Dampfmolkerei, Ölmühlen, Färberei, Bierbrauerei, Branntweinbrennerei, Gerberei, Steinschleiferei, Dampfmahl- und -Sägemühlen, Fischerei etc. Der Handel wird unterstützt durch eine Handelskammer, die Korporation der Kaufmannschaft, den Mecklenburgischen Handelsverein, durch neun Konsulate fremder Länder, eine Börse, eine Nebenstelle der Reichsbank, die Rostocker Bank, den Ritterschaftlichen Kreditverein und andere Geldinstitute sowie durch die lebhafte Schifffahrt. Die dortige Reederei zählte am 1. Januar 1905: 30 Seeschiffe zu 21.200 Registertonnen, darunter 22 Dampfer. Rostock besitzt eine eigne Flagge: weiß, das obere innere Viertel gelb mit einem stehenden schwarzen Greis.

Rostock - Gesamtansicht
Rostock - Marienkirche
Rostock - Blücherdenkmal
Rostock - Gesamtansicht Rostock - Marienkirche Rostock - Blücherdenkmal


Gegenstände der Ausfuhr sind Getreide und andere Landesprodukte, als Wolle, Flachs, Fleisch etc., während vornehmlich Kolonial- und Eisenwaren, Wein, Steinkohlen, Petroleum, Holz und Heringe eingeführt werden. Auch hat Rostock jährlich eine Messe und besuchte Woll-, Pferde- und Viehmärkte. 1904 liefen ein: 2120 beladene Seeschiffe zu 808.319 Registertonnen, aus: 2224 Seeschiffe zu 754.289 Registertonnen. Für den Eisenbahnverkehr ist die Stadt mit drei Bahnhöfen Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Güstrow-Rostock, Wismar-Rostock, Neustrelitz-Rostock u.a. Dem Verkehr in der Stadt dient eine elektrische Straßenbahn. Unter den Bildungsanstalten steht obenan die 1418 von den Herzogen Johann III. und Albrecht V. von Mecklenburg in Gemeinschaft mit der Stadt gestiftete Universität, die 1437–43 wegen des vom Baseler Konzil über Rostock verhängten Interdikts in Greifswald ihren Sitz hatte, aber 1760 nach Bützow verlegt wurde. Da indessen die vom Rat angestellten Professoren in Rostock ihre Vorlesungen fortsetzten, so bestanden damals zwei mecklenburgische Universitäten, bis 1789 ihre Wiedervereinigung in Rostock erfolgte; doch gab die Stadt ihr Mitbesitzrecht erst 1827 auf. Die Universität hat eine Bibliothek (212.000 Bände), zahlreiche Hilfsanstalten, darunter eine Frauenklinik mit Hebammenschule, eine Sternwarte, eine landwirtschaftliche Versuchsstation etc. und zählte im Sommersemester 1906: 700 Studierende. Außerdem befinden sich in Rostock ein Gymnasium, ein Realgymnasium, eine Realschule, eine Maschinisten- und Navigationsschule, ein Handelsinstitut, eine Gewerbeschule, ein Theater, eine Kunstsammlung etc.; ferner eine Irrenanstalt, ein Jungfrauenkloster, ein Landeskrüppelheim, ein Armen- und Arbeitshaus, eine Kaltwasserheilanstalt etc.

Rostock - Hafenpartie
Rostock - Stadttheater
Rostock - Hafenpartie Rostock - Stadttheater


Der Rat besteht aus 14, die repräsentierende Bürgerschaft aus 60 Mitgliedern. Auf dem Landtag bildet Rostock einen Stand für sich, und einer seiner Bürgermeister ist Mitglied des Direktoriums auf den Landtagen und Landeskonventen sowie des engeren Ausschusses der Stände, der in Rostock seinen Sitz hat. Sonst ist die Stadt Sitz des permanenten Landeskonsistoriums, eines geistlichen Ministeriums (für die Stadt), eines Oberlandes- und eines Landgerichts, einer Landessteuerdirektion, eines Hauptsteuer- und Hauptzollamtes, einer Medizinalkommission etc. In der Nähe von Rostock liegen die Barnstorfer Anlagen, ein großer Park und besuchter Vergnügungsort, nördlich der Hafen von Rostock, Warnemünde.

Rostock - Promenade mit Steintor und Ständehaus
Rostock - Wasserpartie am Mühlentor
Rostock - Promenade mit Steintor und Ständehaus Rostock - Wasserpartie am Mühlentor


Zum Oberlandesgerichtsbezirk Rostock gehören die beiden Mecklenburg mit den vier Landgerichten zu Güstrow, Neustrelitz, Rostock und Schwerin; zum Landgerichtsbezirk Rostock die neun Amtsgerichte in Doberan, Gnolen, Kröpelin, Neubukow, Ribnitz, Rostock, Schwaan, Sülze und Tessin. Rostock (Roztoc), im 10. Jahrhundert Besitz des Obotritenfürsten Gottschalk, wurde 1161 vom Dänenkönig Waldemar I. erobert und eingeäschert, um 1170 durch Pribislaw II. wieder aufgebaut und erhielt bald starke deutsche Bevölkerung sowie 1218 vom Herzog Borwin I. Stadtgerechtigkeit. Rostock war 1229–13!4 der Sitz einer eignen Fürstenlinie, kam dann an die Hauptlinie Mecklenburg, die 1323 für Rostock die dänische Lehnshoheit anerkannte. Als Mitglied der Hanse, außerdem seit 1418 als Universitätsstadt erhob sich Rostock zu großem Wohlstand, litt jedoch durch die häufigen Seekriege. Bei der Teilung Mecklenburgs 1621 blieb die Stadt beiden Linien gemeinsam und fiel erst 1695 an Mecklenburg-Schwerin. Von ihren zahlreichen Privilegien behielt sie seit 1788 nur das Recht der eignen Besteuerung. 1712 von den Schweden erobert. wurde Rostock 1715 von den Dänen und 1716 von den Russen besetzt, 1719 aber durch eine kaiserliche Kommission in seine alten Rechte wieder eingesetzt. Im Mai 1848 und im April 1849 wurde es von den Dänen in Blockadezustand erklärt.

Rostock - Markt mit Marienkirche und Blutstraße
Rostock - Neuer Markt mit Rathaus
Rostock - Markt mit Marienkirche und Blutstraße Rostock - Neuer Markt mit Rathaus



Rostock (Mecklenburg-Vorpommern)


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